Stative für die Fotografie

Das alte Stativ

Zu Beginn meiner Landschaftsfotografie, habe ich auf ein Aluminium Stativ der Marke Cullmann (Typ: Magnesit 528) gesetzt. Der mitgelieferte Stativkopf hat mich schnell genervt und wurde gegen einen Rollei T5S ausgetauscht. Auch mit dieser Kombination war ich nicht zufrieden. Trotzdem habe ich mich lange Zeit dagegen gewährt viel Geld für ein Stativ zu investieren.  Im Sommerurlaub 2019 waren wir im Zillertal immer wieder wandern. Die Landschaft im Zillertal hat mich gereitzt schöne Fotos zu machen. Immer wieder haben wir Wanderungen unternommen, bei denen ich meine Ausrüstung auf dem Rücken hatte und immer wieder musste ich feststellen, dass das Aluminiumstativ nicht meine Erwartungen an die Erfordernisse erfüllt.

Ich bin unter dem aktuellen Gesichtspunkt noch ein altmodischer Fotograf. Spiegellose Kamerabodys haben bei mir noch keinen Einzug gefunden. Die Nikon D810 gehört leider auch nicht zu den Leichtgewichten der Vollformatklasse. Man sollte als Fotograf mit DSLR’s wissen, dass eine Kamera mit mehr als 24MP Auflösung immer sehr ruhig gehalten werden muss. Anderweitig besteht die Gefahr, dass Verwackler entstehen.

Die Belastungsprobe

Ich bin unter demaktuellen Gesichtspunkt noch ein altmodischer Fotograf. Spiegellose Kamerabodys haben bei mir noch keinen Einzug gefunden. Die Nikon D810 gehört leider auch nicht zu den Leichtgewichten der Vollformatklasse. Man sollte als Fotograf mit DSLR’s wissen, dass eine Kamera mit mehr als 24MP Auflösung immer sehr ruhig gehalten werden muss. Anderweitig läuft man Gefahr, dass Verwackler entstehen.

Leider habe ich in meinen Urlaubsfotos aus dem Zillertal eben diese gewisse Unschärfe entdeckt. Mir war bewusst, dass die D810 in dem Sinne eine Diva darstellte. Schließlich habe ich oft Hochzeiten mit dieser Kamera begleitet. Trotzdem habe ich gedacht: Du hast doch ein stabiles Stativ! Aber irgendwie habe ich vieles in Vergangenheit nicht bedacht.

Komischerweise muss man doch immer die Lernschleife selber drehen, oder? Überall in jedem Bericht von bekannten Landschaftsfotografen wird darauf hingewiesen „Kauft ein stabiles Stativ. Achtet dabei auf Qualität.“ mmmmhhh… Was soll ich sagen? Cullmann hat sich eigentlich auch einen Namen erarbeitet, dennoch waren die Micro-Vibrationen in meinen Bildern zu sehen.

Um herauszufinden, ob es wirklich die Vibrationen des Spiegelschlag waren, habe ich die Kamera auf dem alten Stativ montiert und ein Gefäß mit Wasser an dem Stativ befestigt (nicht nachmachen). Bei jeder Auslösung des Spiegel konnte ich in dem Wasser die Vibrationen erkennen. Mir ging durch den Kopf „Irgendwie doch nicht so stabil wie immer gedacht…“

Gewicht?

Am meisten ist mir dies aufgefallen, wenn ich Fotos mit meinem Nikkor 70-200 f/2.8 aufgenommen habe. Diese Kombination aus dem Teleobjektiv und der Nikon D810 erreicht ein Gewicht von um die 3-4kg (ohne Zubehör). Die genannte Kombination habe ich generell mit einer Arca Swiss Platte am Stativ-Fuss des Teleobjektiv befestigt. Somit lag der Schwerpunkt der Kombination immer mittig auf dem Kugelkopf. Trotzdem muss man sich bewusst darüber sein, dass die maximale Belastung des Cullmann war mit 7kg definiert. Man sollte denken, dass dies vollkommen ausreicht. Fehleinschätzung!!!

Stabilität!! Wofür??

Erst einmal habe ich mir Gedanken gemacht, welche Kombinationen an Komponenten auf das neue Stativ verbaut werden sollen. Diese habe ich mir aufgeschrieben und gewogen… Jaaa… ich habe gewogen! Man mag mich für dumm halten, aber Wiegen war für mich die beste Lösung die Realität abzubilden.

Folgende Kombinationen nutze ich für meine Aufnahmen:

  1. Nikkor 16-35mm f/4 + Nikon D810 + Nisi Steckfilter V5 + Remote Auslöser + Batterie
  2. Nikkor 35mm f/1.4 + Nikon D810 + Nisi Steckfilter V5 + Remote Auslöser + Batterie
  3. Nikkor 85mm f/1.8 + Nikon D810 + Nisi Steckfilter V5 + Remote Auslöser + Batterie
  4. Nikkor 70-200mm f/2.8+ Nikon D810 + Nisi Steckfilter V5 + Remote Auslöser + Batterie

Diese Kombinationen haben mir alle gezeigt, dass die maximale Belastung des Stativ bei ca. 5kg liegt. Ich war doch verblüft, welche Gewichte man immer so mit sich herumträgt.

Wie auch immer, die Vibrationen die ich mit dem Wasser am alten Stativ sichtbar gemacht habe, wollte ich bei meinem neuen Stativ nicht sehen. Aber was kann man dagegen wirklich tun?

Meine Recherche im Netz

Die Recherchen im Netz haben ergeben, dass ich eigentlich garnicht viel gegen diese Mikro-Vibrationen unternehmen kann, jedes Stativ wird diese aufweisen, wenn es falsch verwendet wird. Ich war echt verblüft. Daher stellte ich mir die Frage: „Wenn das so ist, wie bekommen dann die anderen Fotos ohne Verwacklungen hin?“

Meine Recherchen und eigenen Versuche haben mir gezeigt, dass es Möglichkeiten gibt. Diese möchte ich Euch erst einmal in den folgenden kurzen Beschreibungen darstellen.

Dicke Beine sind wichtig!

So dumm es auch klingen mag, aber gerade bei den neuen Carbon- Stativen sind dicke Beine wichtig! Ich meine damit nicht die Schichtdicke, sondern wirklich den Durchmesser der Beine. Carbon an sich mag ein sehr stabiles Material sein, aber nicht ohne Grund wird dieses Material seit den 90er Jahren für den Bau von Angelruten verwendet. Denn es hat zu gleich auch die Eigenschaft trotzdem sehr flexibel zu sein. Je dünner das Beinchen, desto einfach fängt es an zu federn.

Standfestigkeit

Ein Thema mit dem man sich in der Fotografie eigentlich seltener auseinander setzt, ist die Standfestigkeit. Diese wird hier nicht durch Dicke und Länge definiert, sondern wirklich im Detail durch den Untergrund und weitere Faktoren.

Als aller erstes sollten wir uns vor Ort immer den Untergrund anschauen. Hast Du einen Waldboden der seit jahrzehnten mit Tannennadeln bedeckt wird, kannst Du schon beim Laufen spüren, wie Du in den Boden einsackst. Dagegen ist felsiger Untergrund knüppelhart, keine Bedingung kann den Felsen in Vibration versetzen.

Nun mag sich der eine oder andere fragen: „Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“ Tja… Prinzipiell hängt das alles sehr stark miteinander zusammen. Das Thema mag vielleicht nicht jedem so liegen, aber in der Schule hatten wir alle Mathematik und Physik. Jeder von uns hat in der Schule gelernt, warum ein Gittermastkran so stabil ist, dass er schwere Lasten heben kann… Könnt Ihr Euch noch erinnern warum?

Ein rechtwinkeliges Dreieck ist die stabilste Verbindung, die wir erschaffen können! Natürlich nur… Wenn der Druckpunkt in der Spitze des Dreieck liegt. Welches Stichwort fällt Euch auf? Jaaaa… genau, die Verbindung! Haben wir bei einem Stativ eine Verbindung zwischen den Beinen? Nur am Kopfpunkt haben wir eine feste Verbindung, bei unserem Kugelkopf, drei Wege-Neiger oder, oder, oder… Aber was ist mit dem Fusspunkt? Was passiert, wenn wir keine Verbindung am Fusspunkt haben? Wie schaffen wir eine Verbindung am Fusspunkt? Darauf sollte ich vielleicht noch einmal kurz eingehen…

Der Fusspunkt unseres Stativ

Grundlage

Habt Ihr schon mal ein Zelt aufgebaut, bei dem die Füsse ein Dreieck bilden? Was passiert, wenn man auf die Spitze des Zeltes eine Belastung setzt? … Richtig, die Beine spreizen sich auseinander! Bei unseren Stativen haben wir das gleiche Prinzip. Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Beine unter der Kopfbelastung nicht spreizen können. Dies ist die erste Grundlage für einen sicheren festen Stand des Stativ. Wie aber können wir verhindern, dass sich die Beine spreizen? Auf weichem Boden ist das eine der einfachsten Lösungen! Wir verwenden generell die mitgelieferten Spikes und drücken diese in den Boden des Waldes. Aber können wir uns sicher sein, dass dies wirklich für Stabilität sorgt? Gegen ein auseinanderrutschen der Füße auf jeden Fall… Achso, wir sprechen hier über Millimeter nicht über Zentimeter oder Meter!! Aber diese Millimeter/ 10tel Millimeter sorgen dafür, ob ein Foto gut, oder schlecht wird, wenn es darauf ankommt…

Auf Fels gebaut

Jetzt stehen wir auf einem harten Felsen… Wir können die Spikes in keinen Boden rammen und damit gegen ein verrutschen der Beine sichern. Erst einmal solltet Ihr schauen, ob ihr eine einfache Lösung findet. Zum Beispiel, durch verkeilen der Füsse in Rissen uns Spalten. Leider sind diese nicht immer in dem von uns gewünschten Abstand, oder liegen an der falschen Stelle und sind daher nicht förderlich für unsere Komposition. Also brauchen wir ein anderes Mittel… Hier können wir sowohl die Spikes wie auch die Gummifüsse einsetzen. Trotzdem empfehle ich Euch eine einfache Sicherung, durch eine gleichschenklige Verbindung (Leine) unterhalb des letzten Teleskopverschluss Eurer Stativbeine.

Ich weiß, der eine oder andere wird nun sagen: „Was soll ich denn noch alles mit mir herumtragen?“ Aber ich kann Euch beruhigen, eine dehnungsarme Schnur aus dem Baumarkt, wird das Gepäck auf Eurem Rücken nicht dermaßen belasten, dass Ihr zusammenbrechen werdet. Ausserdem geht es bei unserem Hobby darum schöne Fotos zu machen und keine Schnappschüsse. Schnappschüsse, die kann jeder mit dem Handy machen…

Checkliste

Okay was haben wir geklärt:

  1. Dicke Beine
  2. Standfestigkeit
  3. Fusspunkt des Stativ

Mmmmhhhh… dann kommen wir mal zum nächsten Thema…

Montage der Kamera auf dem Stativ

Die Montage der Kamera ist ebenso wichtig, wie der feste Stand. Ich meine was nützt es uns, wenn wir ein schweres 70-200mm mit einer Offenblende von 2.8 ausschließlich am Bajonett unserer Kamera anbringen und die Kamera mit einem L-Winkel auf dem Kugelkopf sitzt. Leider sehe ich diese Szene immer wieder… Erst einmal liegt die volle Punktbelastung auf der Arca-Swiss Verbindung am Kugelkopf und dann kommen auch noch die in Physik gelernten Hebelgesetzte zum tragen. Also was machen wir??? …. Nein, nicht eine andere Kamera kaufen! Wir bringen der Schwerpunkt der ganzen Kombination „möglichst“ ins Zentrum. Die großen Teleobjektive besitzen dafür einen Stativfuss, welcher bei mir generell mit einer Arca-Swiss kompatiblen Platte ausgestattet ist. 

Nun gut, dass war jetzt eines der extremen Beispiele für eine Situation. Viele Landschafts- oder Naturfotografen sind ja eher mit Brennweiten von 14-70mm unterwegs. aber auch hier müssen wir uns mit dem Thema beschäftigen, denn machen wir uns nichts vor… Ein Superweitwinkel hat meist mehr „Glas“ und ist ähnlich schwer wie ein 70-200mm f/2.8. Ähnlich verhält es sich bei den Festbrennweiten mit Offenblenden von f/1.2 – 1.4. Objektive mit Offenblenden von f/1.8 sind hingegen meistens sehr leicht, aber stabil gebaut. Darum muss jeder für Sich die beste Kobination aus Kamera und Objektiv finden.

Achtet auf den Kugelkopf

Jetzt komme ich aber zu einem ganz wesentlichen Punkt. Wenn die Basis still steht, also unser Stativ, kann muss der Kopf oben auf dem Stativ, die Kamera – Objektiv Kombination wie in Stein gemeißelt halten. Was möchte ich Euch damit sagen? Ihr könnt Euch das teuerste Stativ kaufen, wenn der Kugelkopf aber günstig sein muss, weil das Budget nicht mehr reicht, dann geht das ganze in die Hose. Achtet darauf einen GROßEN und ich meine großen Kugelkopf zu kaufen. Der Durchmesser der Kugel ist dabei entscheident. Ich möchte Euch ein Beipiel geben: Versucht mal ein Buch mit zwei Fingern waagerecht zu halten und danach mit der ganzen Hand! Was fällt Euch auf?

Jaaa… ich weiß, ein großer Kugelkopf treibt das Gewicht wieder in die Höhe… Aber wer schön sein will muss leiden! Die Katze beißt sich in den Schwanz, wenn Ihr ein richtig gutes Stativ habt und die Kamera durch den Kugelkopf nicht entsprechend gehalten werden kann.

Kameraeinstellungen

Ich höre schon die ABER und WENN… Nein, das ist meine Vorgehensweise, wenn ihr eine andere habt, dann nutzt sie so… Ich stelle sie Euch vor, was Ihr damit macht, dass ist Euch überlassen.

Generell – bezogen auf DSLR – sollte man versuchen eine Spiegelvorauslösung einzustellen. Es gibt Kameras, bei denen man dies im Menü zusammen mit einer Verzögerungszeit zwischen Spiegelhochklappen und wirklichem Auslösen, einstellen kann. Anderweitig haben die DSLR immer eine Möglichkeit den Spiegel vor dem Shot hochzuklappen. Dann muss man meistens zwei mal auf den Auslöser drücken. Einmal um den Spiegel hochzu klappen, dann zählt man bis 5 und drückt dann noch einmal für das Foto.

Alles andere ist Eure Sache! Die Belichtung, Szene und die Kreativität ist dabei vollkommen Euch überlassen.

Remote Auslöser – JA oder NEIN –

Gar keine Frage – NATÜRLICH!!! Ihr könnt auch mit dem Selstauslöser der Kamera arbeiten, dann ist in den meisten Fällen aber keine Spiegelvorauslösung möglich. Also immer gut überlegen, ob Ihr einen nutzt oder nicht. Ich persönlich habe auch immer einen dabei.  Die meisten empfehlen einen Kabel gebundenen, ich nutze schon immer einen Funkauslöser. Aber das ist jedem selbst überlassen.

Warum nutze ich einen Funkauslöser?? Mmmmhhh… Noch einmal das Beispiel, der Waldboden ist übersäht mit Tannennadeln der letzten 50 – 100 Jahre… weich… und ich stehe (85kg lebendgewicht) mit einem Kabel gebundenen Auslöser 30cm neben dem Stativ… Dann überträgt sich jeder Schritt und jede Bewegung auf das Stativ. Genauso wird es Euch ergehen, wenn Ihr die Kamera auf einen einsamen Steg stellt. Alles sitzt bombenfest und zuhause stellt Ihr fest, die Schritte auf den Brettern des Stegs, die Bewegung des Oberkörper, oder des Arms haben die Kamera in Schwingung versetzt.

Das sind meine Erfahrungen. Mehr nicht…

Mein neues Stativ

Jetzt komme ich aber langsam zum Abschluss, ich möchte Euch ja nicht auf die Folter spannen und mit dem ganzen technischen gesülze volllabern.

Ich habe mich für das Rollei Rock Solid Alpha Mark II mit dem Rollei Kugelkopf T7S Mark II entschieden. Die Entscheidung ist auch mir nicht leicht gefallen. Es haben viele Faktoren dafür gesprochen, aber auch dagegen. Einerseits habe ich natürlich wie jeder der dieses Hobby betreibt, auf das Budget geachtet. Anderer Seits wollte ich wirklich Leistung für den Preis erhalten. 

Warum habe ich mich für dieses Stativ entschieden? Ganz einfach, alle oben genannten Punkte sind für mich mit dem Stativ erfüllt. Dicke Stativbeine, Spikes zum fixieren des Stativ auf weichem Boden und ein großer Kugelkopf. Das merkwürdige ist, dass Rollei dieses Stativ im Gegensatz zur Lion Rock Serie kaum irgendwo vorstellt. Die Tragkraft des Stativ ist mit 30kg angegeben. Das ist schon sehr beeindruckend und auch der Kugelkopf soll für die 30kg Belastung ausgelegt sein. Alles in allem habe ich im Gegensatz zu meinem alten Cullmann 528 das gleiche Gewicht auf dem Rücken, wenn ich damit Loswandere.

Für mich aktuell eine Win-Win Situation!!

Solltet Ihr Fragen haben, dann schreibt mich gerne an, ich helfe Euch gerne weiter!